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Los geht's

Reparatur Initiativen

Logo http://anstiftung.pageflow.io/reparieren

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Ob Reparaturtreff, Elektronikhospital, Café Kaputt oder Repair Café: Reparatur-Initiativen stiften durch alle Einkommens- und Bildungsschichten, Altersstufen und Milieus hindurch immer mehr Menschen zu umweltfreundlichem zivilen Ungehorsam an. Eine neue Form sozial-ökologischer, zivilgesellschaftlicher Bewegung legt praktisch Hand an Konsum- und Wegwerfpraxen und schraubt am Verständnis dessen, was wir als VerbraucherInnen können, sollen und dürfen.

Reparatur-Initiativen organisieren Veranstaltungen, bei denen defekte Alltagsgegenstände in angenehmer Atmosphäre gemeinschaftlich repariert werden. Menschen mit kaputten Dingen und wenig Reparatur-Know-how treffen auf solche, die reparieren können: elektrische und mechanische Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, aber auch Textilien, Fahrräder, Spielzeuge und andere Dinge. Repair-Treffen sind nicht-kommerzielle Veranstaltungen mit dem Ziel, die Nutzungsdauer von Gebrauchsgütern zu verlängern und dadurch Müll zu vermeiden, Ressourcen zu sparen und Obsoleszenzstrategien ganz praktisch ein Schnippchen zu schlagen.

Außerdem sind diese Events eine neue Form produktiver Vergemeinschaftung, denn über das gemeinsame Tätigsein entstehen Bekannt- und Freundschaften, werden Ideen ausgetauscht und Netzwerke gebildet. Reparatur-Interessierte und Tüftlerinnen tauschen Erfahrungen, Wissen und Fertigkeiten aus und verbringen eine gute Zeit miteinander. Daher sind Kaffee und Kuchen ebenso wichtiger Bestandteil wie Schraubenzieher und Lötkolben.

 

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Als Alltagspraxis ist Reparieren nicht neu. Neu ist, dass sich Menschen in Reparatur-Treffs, Repair Cafés und anderen Reparatur-Initiativen zusammenschließen, um gemeinsam dem schnellen und geplanten Verschleiß (Obsoleszenz) entgegenzutreten. Neu ist, dass sie in kritischer Absicht reparieren und ihr Tun explizit als nachhaltige Praxis verstehen.

Die anstiftung fördert und erforscht die Reparatur-Initiativen als Teil der aktuellen Do-it-yourself-Bewegungen, die in der Stadt – und inzwischen auch auf dem Land oder in kleineren Gemeinden – zunehmend zahlreich auftreten (vgl. Baier/Müller/Werner 2013: Stadt der Commonisten).
In der ein oder anderen Weise sind die neuen Formen des Do it yourself und des Do it together Ausdruck für die gesellschaftlichen Krisen, die in den westlichen Konsum- und Wohlstandsgesellschaften virulent werden. Repair Cafés problematisieren dabei insbesondere die sinnentleerte Produktion immer neuer Dinge und Geräte. Reparieren steht hier für die bewusste Abkehr von einer Kultur, in der Produkte, noch kaum in Gebrauch genommen, schon durch die nächste neue Produktgeneration entwertet sind. Durch den Einblick in die Geräte wollen die Akteure außerdem die Abhängigkeit von Experten reduzieren und selber wieder wissen, wie die Dinge funktionieren. Ihr Motto lautet: „If you can`t open it, you don’t own it”.

Nachdem Reparieren längere Zeit aus der Mode gekommen schien und nur privat und in einigen Offenen Werkstätten (www.offene-werkstaetten.org) überwinterte, erleben Repair Cafés momentan einen regelrechten Boom. Das liegt nicht nur am wachsenden Unbehagen an der Wegwerfkultur, vielmehr sind Repair Cafés auch für sich genommen attraktive Räume. Hier kann nach Herzenslust gefachsimpelt und getüftelt werden. Hier wird Wissen zusammengetragen und weitergegeben. Das macht Spaß und kompetent. Zudem treffen Gleichgesinnte aus verschiedenen Milieus und mit unterschiedlichsten Talenten aufeinander - kaputte Dinge sammeln sich schließlich in jedem Haushalt. Beim gemeinschaftlichen Reparieren verlieren Alters- und soziale Grenzen an Bedeutung. Manches Repair Café ist deshalb inzwischen zum Nachbarschafts- oder Szenetreff avanciert oder hat vorhandene Begegnungsstätten neu belebt.
Do it yourself und do it together ermöglichen es den Beteiligten, die Dinge – und eben auch die Verhältnisse – in die eigene Hand zu nehmen. Die ProtagonistInnen teilen Wissen, handwerkliches Können, Werkzeuge und soziale Netzwerke, um sich nach ihrer eigenen Vorstellung – und in einem sozialen Zusammenhang – zumindest mit einigen Gütern und Dienstleistungen selbst zu versorgen, gängige Konsummuster und Wohlstandsvorstellungen herauszufordern und darüber ein Mehr an Lebensqualität zu erreichen.
In diesem Sinne ist die neue urbane Kultur des Selbermachens eine Subsistenzkultur. Der sorgsame Umgang mit Ressourcen, Praktiken zur Wiederaneignung der eigenen wie kollektiven Reproduktion und die Schaffung von Beziehungsnetzen, all das erscheint angesichts ökologischer Katastrophen, ökonomischer Unwägbarkeiten und wachsender Individualisierung zunehmend dringlich, um gesellschaftliche Resilienz zu erhalten. Die Frage nach dem „guten Leben“, ein anderer Umgang mit der Natur stehen auf der Tagesordnung, und deshalb ist es folgerichtig, wenn in den Räumen des Do it yourself, ob in Gärten, in offenen Werkstätten oder eben in Repair Cafés, nicht nur Subsistenzpraktiken, sondern auch Subsistenzlogiken hoch im Kurs stehen, dass die Protagonisten statt auf die (kapitalistische) Logik der Konkurrenz auf die Subsistenzlogik der Kooperation setzen, dass sie Wissen teilen (statt monopolisieren), dass sie der industriellen Tendenz, Müll und Verschleiß zu fabrizieren, das (Subsistenz-)Prinzip entgegenstellen, den Dingen durch Reparatur und Upcycling ein längeres Leben zu ermöglichen.

Ob dies dazu führt, auch insgesamt einen nachhaltigeren Lebensstil bzw. einen anderen Begriff von Wohlstand zu entwickeln, ist zwar noch nicht ausgemacht. Aber wer weiß, dass er oder sie beschädigte Dinge reparieren kann, entwickelt ein anderes Verhältnis zu ihnen. Und ist damit womöglich schon ein Protagonist der „Großen Transformation“.

 

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Die anstiftung unterstützt die Verbreitung und Stärkung des gemeinschaftlichen Reparierens, da es nachhaltige Lebensstile alltagspraktisch erfahrbar macht, Menschen unterschiedlicher Herkunft/Alter/Orientierung zusammenbringt und produktiven Austausch fördert.

Wir unterstützen Reparatur-Initiativen nicht als Marke oder Logo, sondern arbeiten mit Akteuren und Initiativen freier Assoziation und Namensgebung zusammen, die zu einer commons-basierten Kultur der Nachhaltigkeit und des gemeinschaftlichen Selbermachens beitragen wollen.

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Reparatur-Initiativen und Repair Café MacherInnen aus ganz Deutschland waren am 11.10.2014 eingeladen, andere InitiatorInnen an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen und gemeinsam zu überlegen, ob und wie sich der Aufbau einer Community für Deutschland lohnen könnte. Welche unterstützenden Maßnahmen könnten das Konzept weiter voranbringen? Wie lassen sich lokale Initiativen stärken? Wie können lokale Gruppen voneinander lernen, sich austauschen, vernetzen?

Eines der Arbeitsergebnisse ist diese Resolution.

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... Kunst & Recycling (Kunst-Stoffe, Berlin)
... Kultur (Repair Café Oldenburg)
... Hackerspace (Shackspace, Stuttgart)
... Baugenossenschaft (Repair Café Hamburg)
... FabLab (Garagelab, Düsseldorf)
... Flüchtlinge (Volldabei, Augsburg)
... Kinder (Repair Café Sasel)
... Schule (Emil-Barth-Schule, Haan)
... Senioren (Seniorentreff Starnberg)
... das Land (Repair Cafés in Tirol)
... TransitionTown (Freiburg/Bielefeld)
... Offene Werkstatt (Dingfabrik, Köln)
... Handwerk (Kempodium, Kempten)

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Steckbrief
Ort: Berlin
Gründung: Januar 2013
Häufigkeit: 1 x pro Monat
Wo: Künstleratelier in Kreuzberg
Durchschnittliche Besucherzahl: 20
Geräte pro Termin: 25-30
Durchschnittliche Reparaturquote: 60 %

Team
Organisation
ReparateurInnen pro Termin: 4
Reparateurs-Kontakte insgesamt: 8
Zusätzliche HelferInnen pro Termin: 1

Als Elisa Garrote Gasch 2012 bei einem „demokratischen Teamtreffen“ des Vereins „Kunst-Stoffe Zentralstelle für wiederverwendbare Materialien“ von der Idee erzählte, ein Repair Café zu veranstalten, war der Enthusiasmus groß. „Es gab zu dieser Zeit noch keine solche Initiative in der Stadt“, erzählt sie. Geld war zwar keines da, aber da sie gerade Zeit hatte, fing sie erst einfach mal an. Für die bildende Künstlerin, die sich in ihren Arbeiten schon lange mit der Wegwerfgesellschaft auseinandersetzt, ist der Zusammenhang von Reparieren und Kunst evident. „Es ist ein kreativer Prozess. Wie findet man den Fehler, wie geht man die Sache an, wie erschafft man etwas aus vermeintlich wertlosen Materialien?“

Das Konzept von „Kunst-Stoffe Berlin“ traf den Kern ihres künstlerischen Schaffens. Der Verein hat es sich auf die Fahnen geschrieben, „die kreative Auseinandersetzung im Umgang mit Rest- und Gebrauchsmaterialien zu fördern“. Diese werden gesammelt und preiswert an Kunstschaffende, Bastler und gemeinnützige Einrichtungen abgegeben, um in der Folge zu Kunstwerken, Designobjekten, Bühnenbildern und Dekorationen verarbeitet zu werden. Elisa Garrote Gasch bot zunächst Upcycling-Workshops für Kinder und Jugendliche an, also Bildung für nachhaltige Entwicklung. Auch dabei geht es wie in ihrer Kunst um die „Verwertung und Transformation von billigen, populären und massenhaft produzierten Dingen und Abfallmaterialien“. Diese Materialien sind Inspirationsquelle und Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit – und eben auch des ersten Berliner Repair Cafés, das nach wie vor in Gaschs privatem Kreuzberger Atelier stattfindet. „Meine Kunst ist für mich. Ich arbeite oft allein. Beim Repair Café wird ein öffentlicher Raum produziert. Ich finde es toll, mehrere Leute dazuhaben, die meine Sachen mitbenutzen“, sagt sie. „Neben aller Individualität ist Kunst schließlich auch Kommunikation.“

Das merken auch die Besucher, die häufig wieder kommen oder auch die Reparateure, die inzwischen zu Freunden geworden sind. „Bei den Reparatur-Veranstaltungen geht es manchmal gar nicht primär ums Reparieren, sondern darum, die Sachen zu verstehen, zu helfen.“ Wenn jemand beispielsweise uralte Geräte wie einen „Plattenschlucker“, den Vorgänger des Walkman für das Abspielen von Schallplatten, bringt, oder das einstige Lieblingsspielzeug der verstorbenen Großmutter, geht es um weit mehr als den bloßen Akt des Reparierens. Diese Dinge haben einen emotionalen Wert und sind zugleich kulturgeschichtliche Zeitzeugen. Kunst, Kultur, Design, Kreation – in den inzwischen drei Repair Cafés, die Gasch in Berlin organisiert, fließt Vieles zusammen. 2013 erhielt das Repair Café Kunst-Stoffe den Berliner Umweltpreis. Die Begründung der Jury: „Das Repair Café Kunst-Stoffe (...) nimmt die Menschen mit und unterstützt sie dabei, nicht nur wieder ein funktionierendes Gerät mit nach Hause zu nehmen, sondern dem gängigen Konsumverhalten praktisch etwas entgegensetzen zu können. Dazu braucht es Kreativität, Know-how und die Fähigkeit, anderen Neues beizubringen.“ Vom Geld des Umweltpreises wurden neue Werkzeuge gekauft. Ob damit Dinge repariert werden oder Neues erschaffen wird? Der Übergang ist fließend.

Berliner Umweltpreis 2013:
http://www.berliner-abfallcheck.de/node/107
https://www.kunst-stoffe-berlin.de/repair-cafe-de
http://repaircafe-soldiner.de/

Kontakt:
Elisa Garrote Gasch
repaircafe@kunst-stoffe-berlin.de


 

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Steckbrief
Ort: Oldenburg
Gründung Reparatur-Initiative: September 2013

Häufigkeit: 1 x Monat

Wo: 9/2013-10/2014 Polyester (Kulturinitiative); ab 11/2014 in einer Probebühne des Oldenburgischen Staatstheaters

Träger: Transfer e.V.

Durchschnittliche Besucherzahl: 250

Durchschnittliche Anzahl Gegenstände: 300

Durchschnittliche Reparaturquote: 85 %


Team

Organisation: 4-5

ReparateurInnen pro Termin: 15-20

Reparateurs-Kontakte insgesamt: 75

HelferInnen pro Termin: 10-15

Schon bei den ersten Zusammenkünften der Initiatoren des Repair Café Oldenburg in der genossenschaftlich geführten alternativen Kultureinrichtung „Polyester“ stand fest, dass es in diesem Projekt neben der klassischen Reparatur von Objekten auch um eine Reflektion von Maßstäben, Werten und Normen gehen soll. Gemeinsam mit dem Theater entwickelten der Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech, der wohl bekannteste Vorreiter der Postwachstums-Ökonomie, gemeinsam mit Viola Fetz, Maja Bergmann und Katharina Dutz eine künstlerisch-wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem Ziel, die Reparaturkultur in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, Alternativen zum Wachstumswahn zu bieten und den Nachhaltigkeitsgedanken performativ zu vermitteln.

So entstand im Sommer 2014 eine Kooperation mit dem Oldenburgischen Staatstheater. Unter der Überschrift „Gemeinsam weniger erreichen“ wurde in mehreren Formaten eine sozio-theatrale Feldforschung als künstlerisches Experiment gestartet: das Repair Café ging für zwei Spielzeiten ans Theater. Dort wird Reparatur theatralisch inszeniert, um neue Formen der Nachhaltigkeitskommunikation zu entwickeln. Es geht dabei auch darum, Gedanken und Einstellungen zu „reparieren“ und damit postwachstumstaugliche Praktiken und Lebensstile emotional erfahrbar zu machen. Neben den Experten für Nähen, Flicken, Löten und Schrauben geben z.B. SchauspielerInnen aus dem Ensemble des Staatstheaters ihr Wissen über Sprechen, Bewegung, Singen und Spielen weiter. In einer Vorlese-Ecke, die wie ein orientalisches Zelt mit Sitz- und Liegekissen ausgestattet ist, lesen Profis Märchen vor. „Ohne Unterstützung von KünstlerInnen gehen uns die Einfälle und der Humor aus“, schreibt Paech. Und beides braucht es, um die Idee von einer Postwachstumsgesellschaft Wirklichkeit werden zu lassen. Der Ansatz dieses „genreübergreifenden“ Repair Cafés ist es, einen Vorrat an „vitalen Praktiken“ zu vermitteln, die in der Tradition von Beuys‘ „sozialen Plastiken“ steht.

Wahre ÜberlebensKUNST bedeutet für Paech, auf genügend Praktiken zurückgreifen zu können, „wenn der Laden allmählich zusammenkracht.“ Die Liste dieser Praktiken liest sich wie ein Katalog der Nachhaltigkeit. Neben Reparatur von Elektrogeräten, Möbeln, Fahrrädern und Puppen, neben Messerschleifen, Spinnen, IT-Beratung und Upcycling wird Yoga angeboten, eine „Vermittlungsagentur für soziale Kontakte“ hilft, Menschen zu einem idealen Theater-Gespann zusammenzubringen, das „Amt für materielle Abrüstung“ und das „Museum für Konsumwahn“ sagen dem sinnbefreiten Konsumterror der Wegwerfgesellschaft den Kampf an, es wird Plattdeutsch gelehrt, fürs Leben beraten und vegan gespeist. Weil die vom Theater zur Verfügung gestellte „Exerzierhalle“ der gesammelten Kreativität nicht mehr genügend Raum bieten konnte, findet das Repair Café nun in einem Probenhaus des Theaters auf drei Etagen mitten in der städtischen Einkaufsmeile statt. Doch das ist erst der Anfang. Ab der zweiten Spielzeit soll es bei freiem Eintritt öffentliche Uni-Seminare im Theater geben, Foren und Diskussionsrunden werden ebenso inszeniert wie Überraschungs-Aktionen im Theater. Gipfeln soll dieser Utopie-Entwurf in einem Bürgertheaterprojekt zum Thema Burn-out am Ende der Spielzeit 2015/16. Alles wird theatralisch aufgeladen und spielerisch inszeniert. Oft lustig, aber eben mit ernstzunehmender Botschaft. „Am Anfang haben wir noch Werbung gemacht. Alte Fahrräder mit riesigen Schraubenschlüsseln waren unsere Hinweisschilder.“, so eine der Initiatorinnen. Diese Zeiten sind längst Vergangenheit. „Die Leute stehen heute wirklich Schlange.“ Solch große Veranstaltungen bedeuten natürlich einen erheblichen organisatorischen Aufwand. Zum Glück wird das Repair Café von EhrenamtlerInnen und Studierenden der Oldenburger Universität tatkräftig unterstützt. „Die Herausforderung für uns besteht nun darin, dieses Level so gut es geht aufrechtzuerhalten und uns trotzdem weiterzuentwickeln“. Man darf gespannt sein.

http://repaircafeoldenburg.org
Statement von Niko Paech

E-Mail: repaircafe.orgateam@gmail.com

 

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Steckrief
Ort: Stuttgart
Gründung Reparatur-Initiative: Mai 2013
Häufigkeit: alle 2 Monate
Wo: Vereinsräume / Tech-Werkstatt (shack e.V. ist Träger)
Durchschnittliche Besucherzahl: 20

Durchschnittliche Anzahl Gegenstände: 20
Durchschnittliche Reparaturquote: 60%

Team
Organisation: 2

ReparateurInnen pro Termin: 5

Reparateurs-Kontakte insgesamt: ca. 10

HelferInnen pro Termin: 2

In einer Studie des britischen „Centre for sustainable Design“ von 2014 wurden Repair Cafés und Hackerspaces vergleichend untersucht. Beide werden als Beispiele neu entstehender, basisdemokratischer Orte gesehen, an denen Menschen gemeinsam experimentieren, verbessern, konstruieren oder eben reparieren.

Im Gegensatz zu Repair Cafés werden Hackerspaces allerdings als wenig offene Räume wahrgenommen. Viele Menschen sehen in ihnen eher konspirative und vollvernetzte Höhlen von Technikfreaks und Computerfritzen, die das Tageslicht scheuen, sich von Mate Tee ernähren und in einer Sprache kommunizieren, die sich Uneingeweihten nicht immer erschließt. Eine hermetisch von der Außenwelt abgeschottete, eingeschworene Gemeinschaft von Gleichgesinnten also, die den Kontakt zur Außenwelt meidet und sich nur um sich selbst dreht. Ist das tatsächlich so? Mitnichten. Der Stuttgarter „shackspace“ beispielsweise lebt von seiner Offenheit und zwar nicht nur, wenn es um freie Soft- und Hardware, Netzpolitik und andere Bereiche von Digitalkultur geht. Für Dirk Winning, Ingenieur der Elektrotechnik und Initiator des an den shackspace angeschlossenen Repair Cafés geht es beim Hacken in erster Linie um ethische Fragen, darum zu verstehen und zu verändern. Und eben nicht darum, Dinge zu zerstören oder illegal in Systeme einzudringen, um kriminellen Machenschaften nachzugehen. „Das wären dann sogenannte ‚Cracker’“, erklärt er. Der 180 Mitglieder starke shackspace befasst sich mit völlig anderen Themen. Mit der Frage nach gerechten Bildungschancen beispielsweise oder dem Teilen und Öffnen von Wissen, unabhängig von Alter, Abstammung oder Ausbildung. Hier wird gemeinsam und praxisorientiert gelernt und verändert. „Natürlich programmieren wir auch, aber wir organisieren genauso Partys, veranstalten Spielesessions, Kulturprogramme – oder eben Repair Cafés.“ Dabei reizt die technik-affinen Hacker natürlich erstmal der elektrische Defekt, aber es sind ausdrücklich „auch mechanische Dinge gern gesehen“. Dirk Winning erzählt, dass zu den Repair Cafés Leute kommen, die einen Hackerspace sonst niemals betreten würden. „Erst kürzlich haben wir einen etwa zwanzig Jahre alten Mac repariert.“ Mit dem hätte sich der Kunde wohl kaum in das vermeintliche Mekka modernster Technologien gewagt. Der Computer war dann allerdings nicht das Problem. „Das Netzteil war kaputt“, erzählt Winning lachend. Auch sonst soll das Repair Café im shackspace vor allem Spaß machen. Zu viel Aufwand ist da hinderlich. „Es gibt hier kein großes Organisations-Gedöns. Vieles ergibt sich einfach von selbst. Wer da ist, hilft mit.“ Das können auch mal BesucherInnen sein, die häufig wiederkommen und gerne mit Hand anlegen. Am Ende kommt es nicht darauf an, ob Hacker und Reparateure sich in sämtlichen Punkten ähneln. Was zählt ist, dass Menschen mit einer gemeinsamen Leidenschaft zusammenkommen, um miteinander etwas zu erschaffen. Und wenn beides dann sogar Hand in Hand geht wie im shackspace – umso besser.

http://shackspace.de/wp-run.php/
http://repaircafe.winningindustries.de
Kontakt: repc@winningindustries.de

 




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Steckbrief
Ort: Hamburg
Gründung Reparatur-Initiative: Juli 2014

Erste Veranstaltung: 6.Juni 2015

Häufigkeit: 1 x pro Quartal

Wo: Nachbarschaftstreff

Träger: Baugenossenschaft Hamburger Wohnen eG

Team

Organisation: 1 + 1

ReparateurInnen pro Termin: 12

Kontakte insgesamt bisher: 45

HelferInnen pro Termin: 9

“Unser Kerngeschäft ist das nachhaltige Bewirtschaften und Bauen von Wohnungen, um unseren Mitgliedern sicheren Wohnraum zu einem fairen Preis anbieten zu können. Ein weiterer Schwerpunkt unseres Handelns findet sich im sozialen Bereich. Hier bieten wir unseren Mitgliedern im Rahmen des sozialen Managements die unterschiedlichsten Aktivitäten an. Mit der gezielten Förderung von Nachbarschaften wollen wir u.a. der urbanen Vereinsamung ein Stück weit entgegentreten.”

Mit diesen hehren Zielen ist die über 6000 Mitglieder starke „Baugenossenschaft Hamburger Wohnen eG“ angetreten. Bislang sehr erfolgreich. „Über ehrenamtlich organisierte Veranstaltungen, Ausflüge und Treffen für eine lebendige, vernetzte Nachbarschaft entstehen neue Freundschaften – und manchmal auch spannende Ideen“, erzählt Ina Pokorny, zuständige Mitarbeiterin der Abteilung Soziales Management der Genossenschaft. So berichtete ein Genossenschaftsmitglied begeistert von der Idee der Repair Cafés. Neugierig geworden verschaffte sich Ina Pokorny einen Einblick in das Konzept. Mit einem Aufruf für Reparaturexperten beim nachbarschaftlichen Sommerfest in der „Stellinger Linse“, mit rund 1600 Wohnungen das größte Quartier von Hamburger Wohnen, ging es los.

In den folgenden Schritten wurden bestehende Kontakte zu „Bastlern und Tüftlern“ genutzt, Aufrufe in Mitgliederzeitschriften und Wochenblättern gestartet, Mundpropaganda gemacht, Flyer verteilt, Aushänge gestaltet und plakatiert. Ein Mitglied, das regelmäßig eine „Fahrrad-Sprechstunde“ im Nachbarschaftstreff anbietet, wurde als einer der ersten Reparateure gewonnen. „Es entwickelte sich eine tolle Dynamik. Aus einer Hand voll interessierter und engagierter Mitglieder wurde eine Gruppe von 21 Leuten, die nun mitmachen wollen – zwölf davon als Reparateure und neun als Helfer“, so Pokorny. Für die Durchführung des Repair Cafés stehen die Räumlichkeiten des Nachbarschaftstreffs zur Verfügung und zum besseren Verständnis für die konkrete Umsetzung der Idee besuchte man ein anderes Projekt. „Man muss es hören und sehen, um einen Eindruck von der Idee zu bekommen“, so Pokorny.

Das Durchschnittsalter der Mitglieder in der „Stellinger Linse“ liegt bei ungefähr 45,5 Jahren. Ina Pokorny und ihr Repair Café-Team sind daran interessiert auch jüngere Genossenschaftsmitglieder zu erreichen und damit die Generationen zusammenzubringen. „Das Projekt lief anfangs etwas zäh“, sagt sie. „Aber wir sind am Ball geblieben und so nahm die Sache allmählich Form an.“ Eine wichtige Hürde stellte die Versicherungsfrage dar. Die Lösung war schließlich, die Betriebshaftpflicht der Baugenossenschaft Hamburger Wohnen zu nutzen, über die alle Ehrenamtlichen versichert sind. „Außerdem lassen wir uns von den BesucherInnen die Haftungsbeschränkung unterschreiben“, berichtet Ina Pokorny.

Über die erste Veranstaltung im Juni 2015 soll der Lokalfernsehsender „noa4“ (kurz für „Nachbarn on air“), der von Genossenschaftsmitgliedern empfangen werden kann, berichten. Auch die interne Mitgliederzeitschrift steht für Berichte zur Verfügung. Die Außenwirkung ist wichtig. „Dem Staat gelingt es zunehmend weniger, die vielschichtigen sozialen Aufgaben in unserer Gesellschaft zu bewältigen. Als Genossenschaft verstehen wir es als Herausforderung, im Rahmen unserer Möglichkeiten einen Teil dieser Aufgaben zu übernehmen“, so Pokorny. Aus dem Genossenschaftsgedanken leitet sich eine Verpflichtung zum sozialen Engagement ab. „Die Genossen hier sind nicht nur Mieter – es sind engagierte und aktive Mitglieder, die ein Interesse an einander haben, sich hilfsbereit zur Seite stehen und sich mit ihrem Wohnumfeld identifizieren“ so Ina Pokorny. Das Repair Café verdeutlicht diesen Gemeinschafts-Gedanken und hilft zugleich, wichtige Werte wie das Erhalten von Dingen in die Tat umzusetzen.

www.hamburgerwohnen.de
Kontakt: Ina Pokorny
I.Pokorny@hamburgerwohnen.de

 

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Steckbrief
Ort: Düsseldorf
Gründung Reparatur-Initiative: Nov 2012 (das erste in Düsseldorf)
Häufigkeit: alle 2 Monate
Wo: Eigene Räumlichkeiten / Werkstätten + CoWorkingspace nebenan

Träger: garagelab e.V.
Durchschnittliche Besucherzahl: 70

Durchschnittliche Anzahl Gegenstände: 90
Durchschnittliche Reparaturquote: 65 %

Team
Organisation: 4

ReparateurInnen pro Termin: ca. 12

Reparateurs-Kontakte insgesamt: über 50 

HelferInnen pro Termin: 3

54 Mitglieder (aktive ca. 15)


„Am eindrucksvollsten war der Moment, als ich einen alten Kassettenrecorder repariert habe und der dann auch wirklich funktioniert hat. So einen zu besitzen, das war ein Kindheitstraum“, erzählt Axel Ganz, Initiator der Repair Café Initiative des Düsseldorfer Garage-Lab. Und auch wenn er von den Besuchern erzählt, scheint der emotionale Zugang einer der Haupt-Motivationsgründe. „Liebhaberstücke machen bei uns zwar nur zehn Prozent der gebrachten Gegenstände aus, doch die Gruppe derer, die Dinge aus persönlichen Gründen reparieren wollen, ist groß.“ Mal bringt jemand die Bohrmaschine seines Vaters, die gefühlt schon immer funktioniert hat oder auch eine retro-Küchenmaschine aus den 1950-ern, die selbst bei den oft jungen Reparateuren nostalgische Emotionen hervorruft.

Dabei scheint das Garage-Lab zunächst alles andere als ein Ort wehmütiger Rückbesinnung, wird in einem „FabLab“ ja per definitionem nach vorne geschaut. Das vom englischen fabrication laboratory abgeleitete „Fabrikationslabor“ verbindet die Neugier des Tüftlers mit modernster High-Tech. Neil Gershenfeld, Professor am MIT (Massachussetts Institute of Technology, media lab) veranstaltete 1998 einen Kurs mit dem Titel “how to make almost anything”, mit dem Ziel herauszufinden, welches die wichtigsten Maschinen und Werkzeuge sind, um eine maximale Bandbreite von Werkstoffen auf vielfältige Art und Weise bearbeiten und so möglichst alles selbst herstellen zu können. Mittlerweile ist eine internationale FabLab-Bewegung entstanden – auch und gerade im globalen Süden – zielt die Idee dahinter doch explizit auf einen sozialen und entwicklungspolitischen Zusammenhang. Gerade in ärmeren Regionen können die Menschen sich nicht einfach neue Dinge kaufen. Durch die Möglichkeiten digitaler Fabrikation werden sie unabhängig von Herstellern oder Neupreisen befähigt, beispielsweise fehlende Ersatzteile selbst herzustellen. Hilfe zur Selbsthilfe also. Und auch hierzulande helfen neue Technologien, kreative Lösungen zu schaffen. „Wenn zum Beispiel die Schlauchführung einer Kaffeemaschine kaputt ist, ist das Ersatzteil oft teuer und schwer zu bekommen – wenn überhaupt“, so Ganz. Mit Einsatz von 3D-Druck können derartige Kleinteile individuell hergestellt werden. Hilfe zur Selbsthilfe also mit dem Ziel, industrieunabhängig reparieren zu können.

Zur Grundausstattung eines FabLabs gehören computergesteuerte Fertigungsmaschinen wie Laserschneide- und Gravur-Maschinen, CNC-Fräsen und 3D-Drucker. Das Garage-Lab verfügt zudem auch über Lötvorrichtungen und andere Werkzeuge, sowie Teile für Elektronikarbeiten. Die so ausgestatteten offenen High-Tech-Werkstätten wirken auf vielen Ebenen. Wie passt diese elaborierte Technik-Welt aber zu den Erzählungen von Nostalgie und Kindheitserinnerungen? Bleiben die oft älteren Besucher des Repair Cafés unter sich, sind es also zwei abgetrennte Welten? Axel Ganz überlegt. Die Besucher des Repair Cafés sind tatsächlich häufig keine technikaffinen Menschen. Es kommen viele „Stammgäste“, die mitunter mehrere Geräte bringen – und den Kuchen gleich dazu. Etwa die Hälfte repariert aus finanzieller Notwendigkeit, weil ihnen schlicht die Mittel für einen Neukauf fehlt. Trotzdem sind sie neugierig, sie fragen nach, was ein FabLab wohl ist – und ab und an schwappt das Interesse über. Bei den vielen unterschiedlichen Besuchern kein Wunder. Das Repair Café im Düsseldorfer Garage-Lab ist mittlerweile fast schon zum Selbstläufer geworden. Werbung zumindest braucht es keine mehr. Dafür haben die MacherInnen den Umweltpreis der Stadt Düsseldorf erhalten, sowie den landesweiten Preis für „Soziale Nachhaltigkeit“ des NRW-Ministeriums. Die beste Anekdote zum Thema Kindheitserinnerungen? „Ein alter Mann brachte mal ein Tonbandgerät aus den 1960-er Jahren. Der Moment war sensationell schön, als es gelungen war, das Teil zu reparieren: Er selbst spielte darauf als kleiner Junge ein Weihnachtslied, das der Opa aufgenommen hatte.“ Knisternd und kratzend war die Stimme des Großvaters zu hören, der seinen Enkel ankündigte. „So ein Fund ist mehr als ein persönliches Erinnerungsstück. Es ist ein Zeitdokument.“ Und wenn für ein solches Gerät mal keine Ersatzteile mehr zu finden sind? – Im Garage-Lab nebenan können sie digital nachgebaut und ausgedruckt werden. Das ist vielleicht der größte Verdienst dieser Verbindung von Alt und Neu: Hier entsteht eine Gemeinschaft über alle sozialen und Alters-Grenzen hinaus. Was wertvoll ist und was nicht, entscheidet nicht die Industrie, sondern schlicht: die Menschen.

www.garage-lab.de
Kontakt: repaircafe@garage-lab.de (Axel Ganz)


 

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Steckbrief
Ort: Augsburg
Gründung Reparatur-Initiative: Sommer 2012
Häufigkeit: nach Möglichkeit und Bedarf
Wo: mobil
Durchschnittliche Besucherzahl: unterschiedlich
Durchschnittliche Anzahl Gegenstände: unterschiedlich
Durchschnittliche Reparaturquote: unterschiedlich

Team
Organisation: 2 
ReparateurInnen pro Termin: 2-5
Reparateurs-Kontakte insgesamt: 10

HelferInnen pro Termin: unterschiedlich

„Wir befassen uns schon seit den 1980er Jahren mit der Flüchtlingsdebatte und sind seit 25 Jahren inhaltlich dabei“, erzählt Holger Thoma, der zusammen mit seiner Frau Susanne die Fahrradwerkstatt „Volldabei“ ins Leben gerufen hat. Hier können Flüchtlinge gemeinsam mit Reparateuren ihre eigenen Räder reparieren oder mithelfen, sogenannte „rote Leihräder“ herzustellen. Diese Fahrräder können von den Flüchtlingen zunächst für vier Wochen kostenlos genutzt werden. „Das verschafft den nötigen Spielraum, um einen Reparaturplan für ein kaputtes Fahrrad zu entwerfen oder aber die Zeit, Geld für den Kauf eines eigenen Rades anzusparen“, erklärt Thoma das Konzept. „Es gab schon einmal ein ähnliches Projekt von einer anderen Initiative. Deren Fokus war es, Flüchtlinge mit geschenkten Fahrrädern auszustatten. Dabei geriet das Miteinander leider in den Hintergrund beim Gerangel um die Räder.“ Wenn alles einfach vorhanden ist, wächst die Anspruchshaltung.

Aus dieser Erfahrung wollten Holger und Susanne Thoma ein langfristiges Projekt starten, das Stadtgesellschaft, Nachbarschaft und Flüchtlinge zusammenbringt, mit dem Ziel, die Willkommenskultur in Augsburg und Schwaben zu bereichern. Allein in Augsburg gibt es derzeit etwa 1300 Flüchtlinge. Wenn Thoma zu ihnen kam, hörte er oft: „Ich brauche ein Fahrrad.“ „Mein Rad ist kaputt.“ So entstand die Idee, eine mobile Fahrradwerkstatt gemeinsam mit den Flüchtlingen aufzubauen. „Oft werden Geflüchtete als bedürftig abgestempelt, dabei unterschätzen wir die Kraft und die Ideen, die sie mitbringen. Viele Flüchtlinge stammen aus subsistenzorientierten Gesellschaften und haben eine Menge Fähigkeiten und Know-how, gerade was den Umgang mit alten Fahrrädern betrifft.“ Die Fahrradwerkstatt funktioniert ohne feste Termine, je nach Bedarf und auf freiwilliger Basis. „Wir müssen flexibel bleiben, Nischen finden. Wenn wir zu starr wären, ginge das Projekt schnell kaputt. Wir fragen uns, was wir leisten können und werden mal kleiner, mal größer, je nachdem.“
Im Moment gibt es etwa dreißig funktionstüchtige Übungs- und Leihräder, die zusammen mit den Werkzeugen größtenteils in einer Asylunterkunft lagern. Das gesamte Werkstattzubehör kann mit Fahrrädern und Anhängern transportiert werden. „So können wir an geeigneten Orten, wie zum Beispiel in Asylunterkünften oder bei Stadtteilaktivitäten eine temporäre Werkstatt errichten.“ Anwohner fragen da schon mal nach, ob das Ganze eine Kunstaktion sei.

Aus solchen Gesprächen ergeben sich neue Kontakte – und immer wieder auch Spendengelder.
Neben Fahrradwerkstatt und Leihrädern bietet Volldabei auch ein Frauen-Fahrradtraining an. Die reparierten Übungsfahrräder werden dafür zu einer Asylunterkunft gebracht, bei der das Training stattfindet. Trainerinnen sind engagierte Frauen, darunter häufig Migrantinnen. Für Kinderbetreuung ist gesorgt, Männer haben dort nichts zu suchen und dürfen auch nicht zusehen. Ein Raum also nur für Frauen.

Die neueste Idee ist, hochwertige Ausflugsräder, die bequem und gut zu fahren sind, zur Verfügung zu stellen. „Viele Flüchtlinge haben einen sehr beschränkten Bewegungsradius und einige fühlen sich noch unsicher in der neuen Umgebung. Da ist es doch toll, zusammen schöne Ziele in der Nähe aufzusuchen und z.B. am Fluss entlang zu radeln.“ Das Fahrrad und das Reparieren sind dabei vor allem Anknüpfungspunkte. „Später trifft man sich in der Stadt, man grüßt sich und es wird spürbar, dass die gemeinsame Zeit wichtig war. Durch gemeinsame Projekte entstehen Freundschaften und herzliche Kontakte“, erzählt Thoma.
Volldabei möchte andere dazu anregen, die Projekte zu übernehmen und weiterzutreiben. Auf die Frage nach seiner Motivation überlegt Thoma. Und antwortet dann: „Mein wesentlicher Antrieb ist es, viele Leute zusammenzubringen, damit Stimmungen nicht kippen.“ Die roten Fahrräder in Augsburg sind ein leuchtendes Zeichen dafür.

www.volldabei.org
kontakt@pareaz.de (Susanne und Holger Thoma)

 

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Steckbrief
Ort: Hamburg
Gründung Reparatur-Initiative, Repair Café Sasel: August 2013
Häufigkeit: alle 2-3 Monate
Wo: DRK Seniorentreffpunkt Sasel und Umweltzentrum Gut Karlshöhe (im Wechsel)
Träger: als private Initiative gestartet, seit Mai 2015 Hand+Werk e.V.
Durchschnittliche BesucherInnenzahl: zum Start zw. 180-380, jetzt 80-100
Durchschnittliche Anzahl Gegenstände: zwischen 50 und 100
Durchschnittliche Reparaturquote: ca. 50% gleich + 25% im zweiten Versuch

Team
Organisation: 2
ReparateurInnen pro Termin: mindestens 10
Reparateurs-Kontakte insgesamt: ca. 50
HelferInnen pro Termin: 3-4

„Gerade für Kinder kann das Reparieren ein spannendes, inspirierendes Erlebnis sein. Nur leider finden sie dazu in ihrem Alltag kaum noch Gelegenheit“, erzählt Kristina Deselaers, eine der beiden Gründerinnen des „Repair Café Sasel“, Hamburgs erster Reparatur-Initiative. „Als mein Sohn in der fünften Klasse das Fach Technik bekam, lernte er am Rechner mit Powerpoint zu präsentieren.
 Das war alles – und mir zu wenig“, so Deselaers weiter. Aufbauend auf ihre Erfahrungen mit Kindern im Repair Café Sasel startete sie deshalb auch Reparatur-Veranstaltungen, die speziell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Kindern abgestimmt sind.

Bei diesen „Repair Café Kids“ können die Kinder unter Anleitung handwerkliche Fertigkeiten kennenlernen und etwas Eigenes reparieren. Ein erster Test verlief beeindruckend. „Die Schulklasse, die wir eingeladen hatten, war hoch konzentriert bei der Sache, untersuchte und bearbeitete begeistert mit uns ihre kaputten Dinge und entdeckte viele neue Talente.“ Mithilfe des Teams vom Repair Café Sasel und in Kooperation mit dem Hamburger „Institut für Lehrerfortbildung und Schulentwicklung“ ist aus der ersten Idee ein pädagogisch gestaltetes Workshop-Format geworden. Vor dem „Wandertag“ ins Repair Café Kids werden die Kinder im Unterricht vorbereitet und diskutieren mit ihren Lehrkräften über ihren Umgang mit defekten Dingen im Alltag. Wenn Spielsachen kaputt gehen, nehmen Kinder diese oft als „schlecht“ oder „wertlos“ wahr.

Das Team von Repair Café Kids dreht an der Perspektive. „Die Kinder werden zu Hause zu Detektiven und machen sich auf die Suche nach kaputten Gegenständen, die sie dann im Repair Café reparieren können: ein schlaffer Fußball, ein kaputtes ferngesteuertes Auto, ein quietschendes Skateboard oder ein defektes Walkie Talkie.“ Während der Reparaturveranstaltung arbeiten sie an unterschiedlichen Stationen: Textil, Holz-, Mechanik, Fahrrad oder Elektro. Wer nichts Eigenes zum Reparieren dabei hat, kann Smartphone-Hüllen aus recycelten Materialien nähen, löten lernen oder eine Minitaschenlampe aus Elektroschrott bauen. „Dabei achten wir darauf, auch die Jungs an die Nähmaschinen und die Mädels an die Lötstation zu bekommen“, sagt Deselaers. Pro Station arbeiten maximal zwei Kinder mit einer Expertin oder einem Experten zusammen. Als Nachweis erhalten sie anschließend eine „Reparatur-Urkunde“. Nach der Veranstaltung erstellt die Klasse eine Präsentation über ihre Erlebnisse.

Diese Inspiration zum Thema „Reparieren statt Wegwerfen“ kann beispielsweise in der Pausenhalle ihrer Schule ausgestellt werden.
„Etwas ‚heilmachen’ stärkt das Selbstvertrauen“, beschreibt Kristina Deselaers ihre Beobachtungen. „Die Kinder erfahren hier ganz ohne Druck, ob sie eine natürliche Begabung für bestimmte Bereiche haben. Ihnen dafür Möglichkeiten zu bieten und sie dabei zu begleiten, macht unheimlich viel Spaß!“
An dem aktuellen Pilotprojekt für das Bildungsprogramm sind drei Stadtteilschulklassen Stufe 5 beteiligt. Erklärtes Ziel ist es, „das Interesse von Kindern an Technik und Handwerk zu fördern und gleichzeitig das Verantwortungsbewusstsein für den Umweltschutz zu steigern.“ „Beim Zerlegen und Bearbeiten von Gegenständen des persönlichen Alltags realisieren die Kinder technische Zusammenhänge und bekommen ein Gefühl für den Wert von Materialien“, so Deselaers. Ihr Wunsch ist es, ab Herbst 2015 das „Repair Café Kids“ als reguläres Bildungsprogramm an Schulen anbieten zu können.

www.repaircafe-sasel.de
Kontakt: info@repaircafe-sasel.de (Kristina Deselaers)

Hier findest Du auch weitere Aussagen von ihr zu dem Thema Reparatur-Initiativen und ihren Zugang zum Thema: http://red-aktionsbuero.de/Kristina-Deselaers

Der NDR hat das Pilot-Projekt begleitet. Beitrag kann man hier ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=FP1Ech7jwbQ

 

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Steckbrief
Ort: Haan
Gründung Reparatur-Initiative: 10/2012

Häufigkeit: 1 x Monat (konstant)

Wo: Schulgebäude/Technikraum

Träger: Schule

Durchschnittliche Besucherzahl: 7

Durchschnittliche Anzahl Gegenstände: 7
Durchschnittliche Reparaturquote: 80%

Team

Organisation: 1
ReparateurInnen pro Termin: ca. 5

Reparateurs-Kontakte insgesamt: relativ feste Gruppe 

HelferInnen pro Termin: 2

Als Gründer der ersten deutschen Realschule gilt der Pädagoge, Theologe und Astronom Christoph Semler, der 1707 die Idee hatte, in seiner »Mathematischen und Technischen Realschule« anschaulichen Unterricht abzuhalten und den jungen Menschen für ihren beruflichen Werdegang notwendige Techniken zu vermitteln. Ganz im Sinne dieses ursprünglichen Realschulgedankens wird der Technikraum der Emil-Barth-Realschule einmal im Monat zum Repair Café. Der erste Impuls dazu entstand bereits Ende 2012 im Rahmen der Technik-AG. Dieses Wahlpflichtfach mit Versetzungsrelevanz ist hier mitnichten das staubige »Werken«, das viele aus ihrer eigenen Schulzeit kennen. Stattdessen sollen Schülerinnen und Schüler für praktische Arbeiten begeistert und ihr grundsätzliches technisches Verständnis gefördert werden. Der Ge- danke, dass man kaputte Geräte aufgrund teilweise simpler Defekte nicht sofort durch neue ersetzen muss, sondern sie oft mit wenig Aufwand wieder einsatzfähig machen kann, ist heute bei jungen Leuten kaum noch präsent. Daher war es erstmal überraschend, als ein Schüler mit der Idee kam: »Wir können ja mal was reparieren.« So fing es an. »Zunächst haben wir uns mit den typischen Dingen befasst, für die früher der Hausmeister zuständig war. Kaputte Stühle, mal ein Tisch, so was«, erzählt Mathias Wunderlich, Lehrer für Technik und Physik. »Heute werden schon wegen kleinster Schäden ansonsten tadellose Gebrauchsgegenstände weggeworfen.« Die Technik-AG nahm sich einer Reihe von herumstehenden, kaputten Stühlen an.

Lehnen wurden angebaut, die Schrauben der Drehhocker ersetzt, Sitzplatten abgeschliffen und neu lackiert. Die Schüler waren von dem schnellen Erfolgserlebnis begeistert. »Man sieht, was man gemacht hat, das ist eben nicht nur ein vollgeschriebenes Blatt Papier.« Um den Effekt nachhaltiger zu gestalten und den Reparatur-Gedanken direkt über das praktische Tun in den Köpfen der Schüler zu verankern, hatte Wunderlich die Idee, aus der Reparatur-Initiative eine Institution zu machen. »Die meisten Eltern unserer Schüler sind aus der ‚Generation schmeiß weg’ – woher sollen die Kinder es also kennen?« Erstaunlicherweise wurden die Jugendlichen durch ihre neuen Kenntnisse nach und nach zu Multiplikatoren. »Wenn ein 12-Jähriger etwas besser kann als seine Eltern – und zwar nicht Zocken am Computer, sondern etwas ganz konkret Praktisches, da kommen die schon mal ins Überlegen.« Für die Jugendlichen ein Erfolgserlebnis, das selbst in denjenigen, die sonst nicht so viel gebacken kriegen, Ehrgeiz entfacht. Auch deshalb richtet sich das Angebot des Repair Cafés nicht mehr ausschließlich an die Lehrer und Schüler der Realschule. Seit Anfang 2013 steht es allen Haaner Bürgerinnen und Bürgern offen. »Wenn die Kids eine alte Dame damit verblüffen, was sie so drauf haben und ihr dabei auch noch helfen, ein kaputtes Radio zu reparieren, das macht die stolz«, so Wunderlich. Dass Technik keine »schwarze Magie« ist, haben die SchülerInnen Schritt für Schritt herausgefunden. »Einer hat einen alten Nintendo aufgeschraubt und erkannt, was kaputt war. Mit vorrätigen Ersatzteilen konnte er das Gerät tatsächlich reparieren.« Als nächstes folgte ein iPod Nano, dessen Reparaturanleitung die Schüler im Internet heruntergeladen hatten. Skeptisch waren zunächst vor allem die anderen Lehrer. Da musste Überzeugungsarbeit geleistet und Durchhaltevermögen bewiesen werden. Einer der Grundsätze des schuleigenen Repair Cafés ist daher, dass es verlässlich genau in der Mitte eines jeden Monats stattfindet. Außerdem gilt bis heute, das Ganze nicht zu groß aufzuziehen. »Wir wollen hier nicht die Stadt versorgen.« Klein und überschaubar soll es bleiben, damit alle, die mitmachen, sich als Teil davon fühlen. »Der ganze‚ Orga-Overhead ist für unsere Initiative überflüssig. Wir beziehen die Leute sehr mit ein. Da kriegt die Oma den Schraubenzieher in die Hand. Es gibt immer eine 1:1 Situation. Wir überlegen gemeinsam, was wir da machen können«, sagt Wunderlich. Damit auch der »Café-Anteil« gegeben ist, gibt es immer Kakao und Kuchen. »Die Fünft- und Sechstklässler, die in der Mittagsbetreuung sind, wuseln nach Schulschluss durchs Haus. Und wenn es was zu futtern gibt, dann kommen die natürlich vorbei. Die werden ja auch älter, bekommen das Fach Technik angeboten und so verbreitet sich das.« An sich ist das Repair Café von 13:30 – 17:00 Uhr geöffnet. »Wir saßen aber auch schon mal um 19:00 noch hier.« Wenn Schule das kann, dann ist es wohl tatsächlich »reale Bildung« in ihrer besten Form.

Das Repair Café an der Emil-Barth-Realschule war ein Projekt der Technik-AG von Oktober 2012 bis Juni 2015. Aktuell finden keine Veranstaltungen statt.

 

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Steckbrief
Ort: Starnberg
Gründung Reparatur-Initiative: Okt 2014
Häufigkeit: 1 x Monat
Wo: Seniorentreff Starnberg, im Haus der Ilse-Kubaschewski-Stiftung
Träger: Seniorentreff Starnberg, Einrichtung des Caritasverbands Starnberg e.V., Stadt Starnberg
Durchschnittliche Besucherzahl: 50

Durchschnittliche Anzahl Gegenstände: 55
Durchschnittliche Reparaturquote: 50% sofort

Team

Organisation: 4

ReparateurInnen pro Termin: 15

Reparateurs-Kontakte insgesamt: 35

HelferInnen pro Termin: ca. 5


Beim diesjährigen Werkstattgespräch „Seniorenbüros und neue sozial-ökologische Initiativen - wie gestalten sie die Bürgergesellschaft?“ wurde großes Interesse an Reparatur-Initiativen deutlich als Engagement-Feld für ältere Menschen, die sich aktiv und produktiv einbringen wollen,. „Wir werden das unterstützen, das Thema stärker promoten und über unsere Kanäle auf die Materialien und das Netzwerk www.reparatur-initiativen.de hinweisen. Es ist toll, dass hier Seniorinnen und Senioren die Treiber einer neuen sozialen Bewegung sind“, erzählt Gabriela Hinn, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros e.V. (BaS). Das Repair Café des Seniorentreffs Starnberg, eine Initiative, die von Senioren ins Leben gerufen wurde und fast zu 100 Prozent aus ihnen besteht, liegt dabei ganz auf ihrer Linie. „Senioren werden bei uns ja oft unterschätzt, dabei sind viele ältere Menschen hochmotiviert, produktiv und voller Tatendrang“, so der Leiter des Seniorentreffs. „Es ist ja auch eine absolute Verschwendung, das Erfahrungswissen der älteren Generation für die Gesellschaft nicht abzurufen.“

Aus dieser Motivation heraus kam eines Tages Hans Peter Stoehrel auf die Einrichtung zu, er hatte zuvor an anderen Veranstaltungen des Seniorentreffs teilgenommen. „Er war beim Italienischkurs, in der Motorradgruppe – und jetzt hatte er eine eigene Idee, für die er mich als eine Art Multiplikator gewinnen wollte.“ Der Leiter des Seniorentreffs war dann auch gleich begeistert. Im März 2014 stellten sie einen Aufruf für die Reparaturveranstaltung in die Zeitschrift des Seniorentreffs, auf den sich 30 Interessierte meldeten. Nach vielen Vorbereitungen wurde das erste Starnberger Repair Café im Oktober 2014 ein voller Erfolg. Repariert wurde alles, vom Super-8-Projektor über Kaffeemaschinen bis hin zu einem alten Röhrenradio. „Als der Reparateur diesem nach einer Rauchwolke wieder Musik entlocken konnte, erhielt er von allen Anwesenden begeisterten Beifall.“ erzählt Initiator Stoehrel.

Die Reparaturen sind kostenlos, nur Ersatzteile müssen bezahlt werden. In der Cafeteria gibt es dazu ebenso kostenlos Kaffee und Kuchen. „Wer will und kann, bringt Kuchen mit – und wenn’s nicht reicht, holen wir eben was vom Bäcker nebenan.“ Dabei bleiben die SeniorInnen nicht unter sich. „Inzwischen kommen regelmäßig etwa 40-60 Besucher zu jedem Termin, einmal mussten wir wegen Überfüllung zeitweise schließen“, sagt Stoehrel mit sichtbarem Stolz. Die Aufträge werden an einer Tafel gesammelt und die Reparateure suchen sich aus, was sie machen können und wollen. Das Wichtigste aber ist, dass es bei den Veranstaltungen nur in zweiter Linie ums Reparieren geht. „Was wir erreichen wollen, ist Gemeinschaft und Kommunikation. Manchen Besuchern des Seniorentreffs fällt es schwer, einfach hereinzukommen und ein Gespräch über ein x-beliebiges Thema zu beginnen. Im Repair Café dagegen hat man ein Problem mit einem Gerät oder einem ärgerlichen Defekt und so kommt man ins Reden“, erzählt Stoehrel. Meist wird hier in Teams von zwei oder drei Leuten gearbeitet. Nur selten tüftelt mal einer allein an etwas herum. „Natürlich ist nicht alles immer nur toll. Es gibt zum Beispiel auch Abstauber, Leute also, die sich sehr wohl eine Reparatur leisten könnten und dann 1-Cent-Stücke in die Spendendose werfen. Die ernten nur - aber säen nicht“.. Etwas finanzielle Unterstützung braucht es, trotz der ehrenamtlichen Mitarbeit aller Beteiligten. Für Flyer, Plakate oder auch den Werbebanner am Stadteingang, der monatlich 25 € kostet. Auch deshalb hat sich das Repair Café des Seniorentreffs für den „Alterspreis 2015“ der Robert-Bosch-Stiftung beworben. „Sollten wir das Geld bekommen, würden wir es gerne mit benachbarten Reparatur-Initiativen im Landkreis teilen. Außerdem denken wir über ein "mobiles Repair Café" nach für ältere oder behinderte Menschen, die zwar noch selbständig leben, aber für manche Reparaturen eben Hilfe benötigen: tropfende Wasserhähne, defekte Rollladengurte oder ähnliches.“ Dafür bräuchte es ein Fahrzeug, für das dem Repair Café im Moment noch die Mittel fehlen. Auch Asylsuchenden wird hier geholfen, beispielsweise indem Fahrräder repariert werden. Durch den Kontakt mit der Mittelschule und dem Gymnasium in Starnberg, sollen künftig auch SchülerInnen mit eingebunden und somit verstärkt das einseitige Altersbild der Jugendlichen verändert werden.

http://www.seniorentreff-starnberg.de
Kontakt: hp@stoehrel.de (Hans Peter Stoehrel)

 

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Steckbrief
Ort: Diverse Tirol
Erstes Reparatur-Café: 08.03.2014
Anzahl an Repair Cafés 2015: 24 Orte in 5 Regionen, in denen ca. 40 Repair Cafés stattfinden, Tendenz steigend
Häufigkeit: Einmal im Monat pro Region
Wo: je nach Veranstalter (Bürohaus, Flüchtlingsheim, Open Air, Schulen, Cafés...)
Durchschnittliche Besucherzahl: 120

Geräte pro Termin: 30 - 130
Durchschnittliche Reparaturquote: 55 – 60 %

Team
Koordinierungsstelle: 1
OrganisatorInnen vor Ort gesamt: ca. 50
Organisations-Helfer vor Ort gesamt: 50-100 
ReparateurInnen pro Termin: ca. 12

Reparateurs-Kontakte insgesamt: 250

Zusätzliche HelferInnen pro Termin: 6 - 10


Das erste Tiroler Repair Café entstand im Frühjahr 2014, als in einer „Erwachsenenschule“ - einer von 100 ehrenamtlichen Bildungseinrichtungen unter dem Dachverband des Tiroler Bildungsforums - nach neuen Themen gesucht wurde. In diesen, mit den deutschen Volkshochschulen vergleichbaren Einrichtungen, werden niederschwellige Angebote für die Dorfbevölkerung offeriert. „Turnen, Computerkurse, Kochkurse, so was eben“, sagt Michaela Brötz, von der die Ursprungsidee zu einer Reparatur-Veranstaltung stammt. Margarete Ringler, Chefin des Bildungsforums, fand die Idee so gut, dass das Konzept von Anfang an offen formuliert wurde – eine Vision für das gesamte Tiroler Land.

Auch der Landeshauptmann, der Ministerpräsident also, war ein großer Fan des Projekts. „Er hat an jeden Bürgermeister der in Frage kommenden Ortschaften geschrieben: ‚Ist zu unterstützen.’ Wenn einer das so von oben sagt, dann funktioniert es auch.“ so Michaela Brötz. Warum es aber in so kurzer Zeit derart gut funktioniert hat und aus einem ersten Repair Café in nur 14 Monaten 24 weitere entstanden, mit steigender Tendenz und der überragenden Resonanz von insgesamt 5000 Besuchern, 2100 Reparaturen und 350 ehrenamtlichen Helfern, kann sie sich auch nicht ganz erklären. „Die Tiroler sind ja an sich ausgesprochene Sturschädel.“ Vielleicht ja gerade deshalb. Geholfen hat sicherlich die flächendeckende und begeisterte mediale Begleitung, von TV-Beiträgen über Printmedien oder das Radio. „So haben wir die Leute auch in den entlegenen Regionen erreicht.“ Weiterhin hilft es sicher, dass das Tiroler Bildungsforum die Haftung übernimmt - eine Frage, die viele Veranstalter schreckt - und auch sonst unterstützend zur Seite steht. Ein Anruf mit Terminankündigung genügt und der Veranstalter bekommt alle notwendigen Unterlagen und Informationen. Zudem wird die Veranstaltung auf der Homepage des Vereins und in diversen Foren beworben, sowie die Flyer zentral vom Verein gestaltet und gedruckt, um den Einstieg zu erleichtern. Michaela Brötz, die heute die Koordination der Tiroler Repair Cafés übernommen hat, rät den Veranstaltern, die Initiativen lieber seltener anzubieten, sie dann aber als „Event“ aufzuziehen.

In fünf Tiroler Regionen findet pro Region und Monat etwa ein Repair Café statt. Kontinuität ohne Überangebot. Das kommt bei der Bevölkerung gut an und viele sind bereit, mitzuhelfen. „Wenn der Veranstalter einen Aufruf startet, dass er sieben Bleche Kuchen braucht, dann sind die da.“ Repair Cafés mit bis zu 200 Besuchern und 130 Reparaturen pro Veranstaltung sind keine Seltenheit. „Auf dem Land ist die Bevölkerung häufig so 60 plus. Die kennen das Reparieren aus ihrer Kindheit.“ Auch die ehrenamtlichen Reparateure sind motiviert. „Vom Firmenchef über den Hobbybastler bis hin zu Geflüchteten mit handwerklichem Geschick ist alles dabei“, so Brötz. Dabei ist ihr eher unwichtig, wer die Leute sind, die zu den Veranstaltungen kommen oder diese durchführen. Erwachsenenschulen, Einzelpersonen, Caritas, die Grünen, die Stadtwerke, das IT-Syndikat in Innsbruck oder auch die ÖVP.
Verstärktes Augenmerk in Zukunft soll auf Schulung und Wissensvermittlung liegen. Der Wunsch, das gemeinsame Reparieren von ExpertInnen und Besucherinnen noch mehr zu betonen, kommt vor allem von Seiten der Experten. Wahrscheinlich werden die womöglich gar nicht so sturschädeligen TirolerInnen auch diese Maßnahmen mit Begeisterung annehmen.
 
http://www.repaircafe-tirol.at
Kontakt: repaircafe@tsn.at
Ansprechpartnerin: Michaela Brötz


 

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Steckbrief Freiburg
Gründung Reparatur-Initiative: Mai 2014
Häufigkeit: jeweils monatlich
Wo: Seniorenbegegnungsstätte (AWO)
Träger: Transition Town Freiburg und andere
Durchschnittliche BesucherInnenzahl: 20-30

Durchschnittliche Anzahl Gegenstände: 20-40

Team

Organisation: 5-10

ReparateurInnen pro Termin: ca.10

Reparateurs-Kontakte insgesamt: 40

HelferInnen pro Termin: 2-5

„Früher dachten die Leute, wir wären so eine Gartentruppe.“

Steckbrief Bielefeld
Gründung Reparatur-Initiative: Februar 2013
Häufigkeit: monatlich
Wo: unterschiedlich
Träger: Transition Town Bielefeld
Durchschnittliche Besucherzahl: 40 - 50
Durchschnittliche Anzahl Gegenstände: ca. 30
Durchschnittliche Reparaturquote: 55% Sofortreparatur

Team

Organisation: 10

ReparateurInnen pro Termin: 3 – 12

Reparateurs-Kontakte insgesamt: 70

HelferInnen pro Termin: 5-20

„Transition Town“, das steht für „Stadt im Wandel“. Die aus der Nachhaltigkeitsbewegung entstandene Initiative will Städte und Gemeinden lokal verändern, um sich aktiv auf zukünftigen Roh- und Treibstoffmangel vorzubereiten. Permakultur, regionales Wirtschaften und Gemeinschaft sind dabei die Grundpfeiler. „Wir wollen Visionen entwickeln und Alternativen ausprobieren für ein besseres Leben in der Zeit des Übergangs. Es ist unsere Welt, unsere Zukunft und die unserer Kinder, es ist unser Leben”, erläutert Reinhold Poier den Grundsatz von „Transition Town Bielefeld“. Auch Repair Cafés sind Teil dieser Bewegung, sind sie doch eine konsequente Antwort auf Ressourcenausbeutung und wachsende Müllberge..

Das Repair Café in Freiburg war 2013 eine von vielen Ideen bei einer Zukunftswerkstatt von Transition Town, schnell bildete sich dafür eine Projektgruppe. „Es war uns wichtig, uns mit anderen zu vernetzen. Der Chaos Computer Club hatte schon mal etwas ähnliches veranstaltet. Die haben wir dann besucht und dabei gemeinsame Interessen gefunden“, erzählt Hannes Steinhilber, Vorstandsmitglied bei “Transition Town Freiburg”. Ähnlich war es mit dem Leiter der AWO-Seniorenwohn- und Begegnungsstätte „Im Grün“ in der Freiburger Innenstadt, der durch Vernetzung der anstiftung dazukam und Räume zur Verfügung stellte und so Gründungsmitglied wurde. Das Netzwerk wuchs organisch und die Reparatur-Initiative wurde zum Andockpunkt für neue Projekt-Ideen. „Eine Person wollte zum Beispiel ein Nähcafé gründen - wir haben dabei geholfen.“ Oder das „Holzcafé“ im Stadtteil Weingarten. „Wir haben festgestellt, dass für mechanische Reparaturen anderes Werkzeug benötigt wird.“ Und wieder ergab sich durch die breite Vernetzung ein Kontakt mit dem „Forum Weingarten e.V.“, einem Verein, der sich für Stadtteilentwicklung einsetzt und über eine Holzwerkstatt verfügt. Neue Projekte - und immer mit anderen Partnern. Aus der Expansion in andere Stadtteile und einer Dezentralisierung der Reparatur-Aktivitäten ist unter anderem der „Repair Carl“ entstanden, ein Fahrrad-Anhänger, der als eine Art Miniatur-Werkstatt für mobile Reparatur-Veranstaltungen konzipiert wurde. Mit einer Grundausstattung an Werkzeugen angefüllt kann er mit wenigen Handgriffen zur Reparatur-Station umgebaut werden. Dabei ist der „Repair Carl“ als Open-Source, bzw. Open-Hardware konzipiert. Die Idee und die Bauanleitung werden zur Nachahmung und Weiterentwicklung zur Verfügung gestellt.

Vernetzen, wachsen, Ideen verwirklichen. Auch das Bielefelder Repair Café ist eine Art Ideen Hub geworden. „Anfangs gab es nur eine Reparaturveranstaltung. Zu der kamen die Leute teilweise von ewig weit her mit dem Auto zu uns. Das war ja nicht Sinn der Sache“, erzählt Mitgründer Reinhold Poier. Inzwischen gibt es in fünf von zehn Bielefelder Bezirken Reparaturveranstaltungen, im Herbst soll der sechste dazu kommen. „Es gibt ein regelrechtes Gedränge von Veranstaltungszentren, die mitmachen wollen “, so Poier weiter. Wie auch in Freiburg fragen diese bei „Transition Town“ an. Der eingetragene Verein bietet Unterstützung und – was für viele Initiativen wichtig ist – eine Haftpflichtversicherung. „Sobald ein Veranstalter drei bis vier Reparateure zusammen hat, kommen wir und helfen beim Start der Veranstaltung.“ Die Repair Cafés finden in Begegnungszentren für Pflege, Freizeit, Migranten und Menschen mit Behinderungen statt, wodurch sich neue Kontakte und Projekte ergeben. Auch andere Initiativen sind so entstanden. „Unsere Veranstaltungen finden immer sonntags statt. Wir haben aber festgestellt, dass für Fahrräder immer wieder spezielle Ersatzteile benötigt werden. Die Besitzer waren dann oft frustriert, weil sie diese am Sonntag nicht bekamen und häufig ihr kaputtes Rad wieder mitnehmen mussten“, erzählt Poier. So entstanden die „Rad-Retter“ als eigene Initiative, die nun an einem Samstag im Monat stattfindet. Aus dem Gedanken, dass Menschen, die im Repair Café einen neuen Sinn fürs Reparieren entdeckt haben, sich nicht alle entsprechendes Werkzeug kaufen können und – im Sinne der Nachhaltigkeit – sollen, entstand die Idee, eine Werkzeugbibliothek einzurichten, in der alle digital ihr Werkzeug einstellen und verleihen können.“ Im Moment wird nach einer gangbaren Lösung gesucht, da es bislang keine adäquate, kostenfreie Open-Source-Plattform oder Software für Deutschland gibt. Auch weitere Re-Skilling-Aktionen stehen an: Lebensmittel konservieren beispielsweise, vom Sauerkraut einmachen bis zum Butterstampfen. „Oder wir versuchen, erneuerbare Energien selbst herzustellen“, so Poier. Es gibt Tauschaktivitäten, eine Garagenwerkstatt, ein Nähcafé – und viele weitere Projekte. „Früher dachten die Leute durch unser Engagement was die urbanen Gärten betrifft, wir wären so ne Gartentruppe. Heute dagegen bringen die Leute Transition Town vor allem mit den Repair Cafés in Verbindung.“

Egal ob Freiburg oder Bielefeld: Transition Towns wollen zeigen, dass Veränderung möglich ist. Das gemeinsame Reparieren ist dabei erst der Anfang.


http://www.reparaturcafe-freiburg.de/
Kontakt: info@reparaturcafe-freiburg.de

Repair Carl
http://ttfreiburg.de/2014/11/repaircarl-der-clevere-anhaenger-fuer-reparatur-cafes/

http://www.ttbielefeld.de/themengruppe_reskilling-repair-cafe
Kontakt: Reinhold Poier r-poier@online.de

 

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Steckbrief
Ort: Köln
Gründung Reparatur-Initiative: April 2012

Häufigkeit: alle 2 Monate

Wo: eigene Räume/Werkstätten
Träger: Dingfabrik e.V.

Durchschnittliche Besucherzahl: schwankt zw. 20 und 60

Durchschnittliche Anzahl Gegenstände: 50

Durchschnittliche Reparaturquote: 50%-80%

Team
Organisation: 3

ReparateurInnen pro Termin: ca. 8

Reparateurs-Kontakte insgesamt: 15

HelferInnen pro Termin: 3-8

Das Grundprinzip von Offenen Werkstätten ist, dass sie allen zur Verfügung stehen, die handwerklich oder künstlerisch in Eigenarbeit aktiv sein wollen. So auch die „Dingfabrik“ in Köln, die in diesem Jahr ihr fünfjähriges Bestehen feiert. Eine erstaunliche Leistung, denn die inzwischen fast 140 Mitglieder starke Werkstatt finanzierte sich von Anfang an selbst, ohne Förder- oder Sponsorengelder. „Dadurch sind wir autark und können machen, was wir wollen.“ sagt Martin Wisniowski, einer der Initiatoren. Diese Unabhängigkeit ist die wichtigste Prämisse. Müssen größere Dinge angeschafft werden, wird ein internes Crowdfunding betrieben und auch die Organisation ruht auf den Schultern aller. Durch das gemeinsame Engagement gelingt es, die Kosten gering zu halten.

Die Multi-Werkstatt, gleichermaßen FabLab, Holz- und Elektronik-Werkstatt, ist dennoch für alle Bedürfnisse ideal ausgestattet. „Von Origami-Falten bis Lasercutter selber bauen werden hier die unterschiedlichsten Projekte umgesetzt.“ so Wisniowski. Im Frühjahr 2012 hatten einige Mitglieder die Idee, ein Repair Café zu veranstalten. „Das Konzept passte perfekt zur Dingfabrik.“ erzählt er weiter. Das Publikum hielt sich anfangs in Grenzen. Bei der zweiten Veranstaltung war das Interesse dann schon deutlich größer. Im „SolutionSpace, einem zentral gelegenen Co-Working-Space kam erst jede Menge ‚Laufkundschaft’ – und dann folgten die Medien. „Das war schon witzig, wenn sich da die Filmteams auf den Füßen rumstanden“, erinnert sich Martin Wisniowski.

Der SolutionSpace wurde schon bald zu klein, und so wurde das Repair Café in die Dingfabrik verlegt. „Das Werkzeug hatten wir ja schon, das war ideal.“ Obwohl die Dingfabrik damals noch etwas außerhalb lag, war die Veranstaltung extrem erfolgreich. Zu Rekordzeiten kamen bis zu 120 Reparaturwillige an einem Nachmittag. Mit dem Umzug nach Köln-Nippes wuchs auch die Dingfabrik, wobei permanent weiter am Konzept gefeilt wurde. „Auch das ist typisch für uns. Es gibt hier keinen steuernden Kopf.“ Neben der Kommunikation über eine interne Mailingliste treffen sich die Mitglieder alle 14 Tage im Plenum, in dem alle Dingfabrik-Themen gemeinsam besprochen werden. „Es finden sich immer Leute, die ein Projekt auch umsetzen. Das ist unser Geheimnis – wir belassen es nicht beim Reden.“ Nach den Reparatur-Events wurde immer eine kurze Auswertung vorgenommen. So entstanden nach und nach Strukturen, die jedoch nicht in Stein gemeißelt sind. „Wir hatten zum Beispiel mal eine Mailingliste, damit die BesucherInnen im Vorfeld Anfragen schicken und Reparaturtipps einholen konnten. Es kamen aber derart viele Anfragen, dass wir die wieder abstellen mussten. Es kommen oft wenig technikaffine Leute, da muss man dann quasi bei Adam und Eva anfangen.“ erzählt Wisniowski. Immer mehr Menschen standen bei den Reparateuren Schlange. „Die haben dann erwartet: Wenn ich hier stehe, muss das auch repariert werden.“ Irgendwann stellten sich die Mitglieder die Frage, ob das noch zum Konzept der selbstverwalteten und vom Engagement und Macherdrang lebenden Dingfabrik passte. „Wir wollten ja keine Dienstleister werden.“ So wurde das Konzept erneut überdacht: Erst mal selbst aufschrauben und eigenständig versuchen, weiter zu kommen – und dann erst um Hilfe bitten. „Das hängt natürlich stark von den Besuchern und ihrer Bereitschaft ab. Einige kommen mit der Idee: Ich bringe meinen 10-Euro-CD-Player, und ihr seid die Dummen, die den kostenlos reparieren. Solche Leute kommen dann aber meist nicht wieder“, führt Wisniowski weiter aus. „Wir sind immer am überprüfen und ändern: Laptops zum Beispiel verschlingen zum Öffnen immer sehr viel Zeit, aber auch Drucker oder billige Kompaktanlagen sind echte Nüsse.“ Deshalb wird nun anderen Dingen, die leichter und interessanter zu reparieren sind, meist Vorzug geben. Der Lerneffekt begeistert Besucher und Mitglieder gleichermaßen.

Aus den Repair Cafés sind weitere Veranstaltungen mit speziellem Fokus entstanden. Spielzeug-Reparatur-Tage für Eltern und Kinder oder schnelle mobile Events im Kölner Zoo, in der Bibliothek, der Innenstadt oder dem Urban Gardening-Projekt „Neuland“. „Das Tolle ist, durch unsere unterschiedlichen Kompetenzen haben wir ganz verschiedene Expertisen. So können wir auch die verrücktesten Probleme lösen“, so Martin Wisniowski. Die Dingfabrik wächst beständig – das wahre Geheimnis: Viele flexible Köpfe, die in maximaler Freiheit gemeinsam nach neuen Wegen suchen.

www.dingfabrik.de

 


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Steckbrief
Ort: Kempten / Allgäu
Gründung Reparatur-Initiative: 2002 (Revival Monat 06/2013)
Häufigkeit: alle zwei Monate
Wo: Eigene Räumlichkeiten
Werkstätten
Träger: Kempodium e.V.
Durchschnittliche Besucherzahl: 70

Durchschnittliche Anzahl Gegenstände: 60 (90% Elektro)
Reparaturquote: 50%

Team
Organisation: 1
ReparateurInnen pro Termin: ca. 10
Reparateure im Pool: 30
Zusätzliche HelferInnen pro Termin: 5

Der im Jahr 2000 gegründete gemeinnützige Verein „Kempodium e.V.“ ist kein Ort für schnelle Trends. Von Anfang an war klar, dass es hier um Grundsätzliches geht. Reparatur, Abfallvermeidung und Konsumsensibilisierung waren und sind konzeptioneller und vor allem gelebter Bestandteil des Hauses. Eben nicht nur Information, sondern „mächlern“, wie der Allgäuer sagen würde.

Von Reparatur-Initiativen als einem Novum zu sprechen, käme Ingrid Reinecke daher nicht in den Sinn. „Schon 2002 wurden hier die ersten Reparaturtage organisiert – sehr ähnlich den heutigen Repair Cafés“, erinnert sich die ehemalige Leiterin des Hauses. „Ich hatte es damals übernommen, die ortsansässigen Fachleute anzuwerben, was am Anfang nicht einfach war. Alle wollten nur verkaufen und fanden die Idee, gemeinsam zu reparieren erst nach einiger Überzeugungsarbeit sinnvoll.“ Irgendwann rief dann ein Elektriker an: „Wissen S’ was – ich mach da mal mit.“ Die schiere Neugier, ob sowas wohl im Allgäu funktionieren könnte, ob da wirklich Leute kämen und Spaß dran hätten gemeinsam zu reparieren, überwog schließlich und das Experiment Reparaturtag konnte starten. Aus Skeptikern wurden überzeugte „Mit-Mächler“. Gerade an diese anfängliche Pionier-Arbeit erinnert sich Reinecke als an eine Art „Aufblühprozess“. Durch die positive Resonanz der BesucherInnen ging es mit einem Mal nicht mehr darum, Kunden zu akquirieren, sondern tatsächlich ganz im Sinne der Philosophie des Hauses primär ums Reparieren. Im Schulterschluss mit vielen Verbänden und Vereinen wurden Reparaturtage zu großen Events für jung und alt. „Es war viel los damals“, erzählt Reinecke. „Das hatte eine wahnsinnige Dynamik“. Schuhmacher, Sattler, Polsterer, Messerschleifer, Parkett- oder Teppichreparatur: Allein die mitgebrachten Werkzeuge der verschiedenen Handwerke in Aktion zu sehen, war für viele eine Attraktion. Im Gegensatz zu heute reparierten in der Anfangszeit ausschließlich Fachleute. Expertentum wurde groß geschrieben und BesucherInnen legten nur selten selbst Hand an. Das hat sich verändert. Heute reparieren alle gemeinsam. Was als Idee begann, ist zu einem funktionierenden, dynamischen Gesamtkonzept gewachsen. Heute gibt es neben den Offenen Werkstätten, Kurs- und Selbermachangeboten, Kooperationen mit Schulen und eigenen Bildungsprogrammen auch das Secondhand-Kaufhaus „Allerhand“ und viele regelmäßig stattfindende größere und kleine Veranstaltungen.
Wenn andere Repair Cafés als Neuerfindung preisen, können die Allgäuer Pioniere nur lachen – gemeinsam Reparieren gehört bei den MächlerInnen vom Kempodium schon lange zum Programm.

www.kempodium.de

Kontakt: repaircafe@kempodium.de

 


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Der studierte Betriebswirt, Coach, Dozent, Berater, Geschäftsführer, Buch-Autor und Vater zweier Kinder wurde in den letzten Jahren vor allem durch die von ihm ins Leben gerufene Verbraucherschutzorganisation MURKS? NEIN DANKE! e.V. einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Allein auf Facebook verfolgen europaweit mehr als 24.000 Interessierte den Einsatz der Kampagne für nachhaltige Produktqualität und gegen die geplante Obsoleszenz. Schridde steht in direktem Austausch mit Ministerien, Behörden, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Gewerkschaften und NGOs. Im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen erstellte er 2013 die viel beachtete Studie „Geplante Obsoleszenz – Entstehungsursachen, konkrete Beispiele, Schadensfolgen, Handlungsprogramm” (Co-Autoren: Christian Kreiß und Janis Winzer). In seinem Sachbuch „Murks? Nein danke! – Was wir tun können, damit die Dinge besser werden“, fordert er nicht nur von Politikern und Produzenten Einsatz gegen den geplanten Verschleiß. Er ruft auch die Verbraucher auf, gemeinsam Druck aufzubauen und deutlich zu machen: Wir wollen solche Produkte nicht!
www.murks.center
www.schridde.org
www.murks-nein-danke.de/verein

 

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Der studierte Biophysiker ist seit 2004 Generaldirektor des Deutschen Museums und Lehrprofessor für Wissenschaftskommunikation an der TU München. Seine wissenschaftlichen Arbeiten sind preisgekrönt (Philip-Morris-Forschungspreis, Communicator-Preis des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, René-Descartes-Preis der Europäischen Kommission), zudem wurde ihm 2008 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Im Jahr 2013 erschien sein Buch “Die Kultur der Reparatur”, in dem er die „Veranlagung“ zur Reparatur kulturhistorisch herleitet sowie zum Widerstand gegen die Mentalität des Wegwerfens und den von Herstellern und Industrie geplanten Verschleiß aufruft.

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Christian Kreiß ist Professor für Finanzierung an der Hochschule Aalen und Autor diverser Bücher, alle mit dem Themenschwerpunkt „menschengerechtes Wirtschaften“. Der Wirtschaftsexperte, ehemalige Investmentbanker und Unternehmensberater weiß, wovon er spricht. Einst selbst Teil des wachstumsbasierten Wirtschaftssystems ist es ihm heute ein Herzensanliegen, zusammen mit Gleichgesinnten neue Wege für eine, wie er sagt, „wahrhaft freie, gleichberechtigte Marktwirtschaft“ zu beschreiten. Dafür wirbt er neben seiner Unterrichtstätigkeit auf zahlreichen Vorträgen, in Podiumsdiskussionen, Talk-Runden, Streitgesprächen oder Interviews. Kreiß ist zudem Co-Autor der Studie „Geplante Obsoleszenz – Entstehungsursachen, konkrete Beispiele, Schadensfolgen, Handlungsprogramm”.

http://menschengerechtewirtschaft.de

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„Reparaturwissen zu teilen, es zu vermitteln und den Menschen wieder einen Zugang zu scheinbar unnahbar gewordenen elektronischen Geräten zu verschaffen“, ist das erklärte Ziel von Matthias Huisken. Ende 2013 gründete der Stuttgarter zusammen mit seinem Geschäftspartner Matthias Mayer „iFixit Europe“ als Tochterfirma der von zwei amerikanischen Studenten gegründeten Internetplattform „iFixit.com“. Hier bieten sie Reparaturanleitungen, Werkzeuge und Ersatzteile an. Vom Smartphone über den Laptop bis hin zum Auto oder europaspezifische Kaffeemaschinen – auf iFixit finden sich tausende Anleitungen. Das spezielle Zubehör kann gleich mitgekauft werden und wird von Matthias Huisken und seinen Mitstreitern aus ihrem Stuttgarter Hinterhoflager zu KundInnen in ganz Europa versendet.

http://eustore.ifixit.com/


 

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Bereits vor 16 Jahren gründete Sepp Eisenriegler das Reparatur- und Servicezentrum R.U.S.Z. in Wien. Sein Reparaturnetzwerk versammelt heute etwa 50 – 60 kleinere Betriebe unter einem Dach, alle mit dem gemeinsamen Ziel, Reparatur wieder en vogue zu machen. Und das außerordentlich erfolgreich. Obgleich Eisenrieglers Unternehmen mit Reparaturen Geld verdient – und verdienen muss – wird hier wöchentlich das Repair Café „Schraube 14“ abgehalten, in friedlicher Co-Existenz zu den professionellen Reparaturen. Das von Eisenriegler als Ausruf verstandene „Schraube!“ ist dabei unbedingt als Aufforderung zu verstehen – hier wird Reparieren nicht nur praktiziert, sondern auch gelehrt, ganz im Sinne seines erklärten Ziels: "Gegen das vorprogrammierte Ablaufdatum von Produkten, die so genannte geplante Obsoleszenz, anzukämpfen und dem Wegwerftrend der Industrie mit seriösem Kundenservice zu begegnen." Mit großem Elan und vollem Einsatz zeigt der Wiener, dass gemeinnützige Aktivität, soziales Engagement und Unternehmertum sich nicht ausschließen müssen.

http://www.rusz.at/

 

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Katharina Dutz
ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Oldenburg mit u.a. diesen Schwerpunkten: Nachhaltigkeit und Technikbewertung, Technik und Ethik in der Schule
Einbindung technischer Inhalte in fächerübergreifende Unterrichtsplanung.

Niko Paech
ist Volkswirt und seit 2010 Gastprofessor am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt an der Universität Oldenburg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem im Bereich der Umweltökonomie, der Ökologischen Ökonomie und der Nachhaltigkeitsforschung.

www.postwachstumsoekonomie.org

 

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Firmeninhaber, Neu-Denker, Idealist – Detlef Vangerow ist in vielen Rollen unterwegs. Aufgewachsen im elterlichen Rundfunk- und Fernsehbetrieb ist er seit rund 40 Jahren in der Elektro-Reparaturbranche zu Hause. Sein Ziel: Neue Geschäftsfelder, Zusammenschlüsse und Fachwerkstätten zu schaffen, die das Reparieren auch in geänderten, globalisierten Märkten ermöglichen. Dazu strebt er nicht weniger an als eine „Reparatur-Revolution“.

Das Interview führte Sarah Schill

Herr Vangerow, was würden Sie sagen: Stehen ehrenamtliche Reparateure aus Reparatur-Initiativen in Konkurrenz zu den Fachkräften, die damit ihr Geld verdienen müssen?

Ich persönlich sehe in den Parallelaktivitäten von Ehrenamt und Gewerbe eher eine Ergänzung. Es geht in den Reparatur-Initiativen ja darum, mit den Besuchern gemeinsam zu reparieren, sie also anzuleiten und ihnen überhaupt wieder Zugang zum Reparieren zu verschaffen. Jede Aktivität, die Menschen dabei unterstützt, in unserer sogenannten Wegwerfgesellschaft keine „Wegwerfer“ mehr zu sein ist für unsere Branche absolut begrüßenswert.

Sie haben die Kampagne „Reparatur-Revolution“ ins Leben gerufen. Worin liegt der revolutionäre Ansatz?

Wir wollen eine Art Bewusstseinswandel erreichen. Dafür treten wir mit unseren Forderungen an. Einer unserer Hauptpunkte ist, dass die Hersteller dazu verpflichtet werden sollen, Ersatzteile zu liefern – und zwar zu einem vernünftigen Preis.

Aber das sollte doch selbstverständlich der Fall sein.

Ist es aber eben nicht! Was vor zwanzig Jahren gang und gäbe war, hat sich heute vollkommen verändert. Die Hersteller liefern kaum noch Ersatzteile und wenn, dann kosten diese häufig fast so viel wie das neue Gerät. Noch dazu sind die Einzelteile – beispielsweise bei einer elektrischen Zahnbürste oder einem Smartphone – oft verklebt, so dass man bei einem kleinen Fehler das ganze Gerät wegwerfen muss. Das Schlimmste daran ist, dass sich alle damit abgefunden haben. Keiner protestiert.

Entsteht da nicht gerade ein Bewusstseinswandel?

Es ist schon eine Art Trend, dass die Leute wieder mehr reparieren lassen. Zugleich wird aber immer mehr billiger Schrott produziert und gekauft. Das ist ein seltsames Paradoxon. Wenn man die Menschen fragen würde: „Willst du ein T-Shirt für 2€ kaufen, das von Kinderhänden in zusammenstürzenden Gebäuden in Bangladesh produziert wurde?“ sagen natürlich die meisten Nein. Trotzdem schießen die Discounter aus dem Boden. Da gibt es eine Lücke zwischen dem moralischen Anspruch und der konkreten Handlung.

Meiner Erfahrung nach gibt es aber auch immer wieder Handwerker, die sagen: Das Reparieren lohnt sich nicht.

Das ist ein absolutes No go. Was weiß der Handwerker denn schon über den Nutzwert eines Gegenstandes für den Kunden, selbst wenn der Materialwert gering sein mag. Nachhaltiges Kaufen muss wieder schön werden – stellen Sie sich vor, jemand sagt voller Stolz: Mein Handy ist zehn Jahre alt und funktioniert einwandfrei. Dahin sollten wir wieder kommen, das wäre revolutionär.

Ihr Netzwerk umfasst etwa 1000 freie Reparaturbetriebe und ihre Forderungen finden politischen Anklang. Das macht Hoffnung.

An sich ja. Es gibt aber auch ärgerliche Entwicklungen. Unser größtes Problem sind beispielsweise ausgerechnet die Verbraucherschützer. Die haben sich auf die Fahnen geschrieben, die Gewährleistungsfrist zu verlängern.

Ist das nicht sinnvoll?

Eben nicht! Das bedeutet den Tod der Reparatur. Stellen Sie sich vor, eine Waschmaschine hätte sechs Jahre Gewährleistungspflicht. In der Garantiezeit dürfen freie Werkstätten das Gerät noch nicht mal öffnen, sonst verfällt die Garantie. Wenn etwas kaputt geht, liegt es also beim Hersteller, sich darum zu kümmern. Der will die Reparatur natürlich so billig wie irgend möglich durchführen lassen. Dafür heuert er dann Subunternehmer an, die für extrem wenig Geld beschäftigt werden. Der Hersteller würde also bestimmen, wer reparieren darf und was das kosten darf. Ein absolutes Monopol. Die meisten Teile würden nicht repariert sondern einfach ausgetauscht. Die Neuproduktion in einem Billiglohnland ist immer günstiger als die Reparatur in Deutschland. Ich habe zum Beispiel gehört, dass es in China einen Euro kostet, einen Laptop zusammenbauen zu lassen. Wie sollen wir mit unseren Mindestlöhnen damit konkurrieren?

Was gilt es also zu tun?

Ich bin überzeugt, dass der Verbraucher handeln muss. Alle sagen, sie müssen billig einkaufen, weil ihnen das Geld fehlt. Da spielen sie MäcGeiz, und auf der anderen Seite leisten sie sich teure Luxusurlaube. Ein Wandel wird erst stattfinden, wenn Arbeitsplätze und Umweltschutz wichtiger sind als uns durchs Mittelmeer schippern zu lassen oder unseren SUV durch die Innenstadt zu fahren.

Das klassische Totschlag-Argument: Und unsere Wirtschaft?

Klar haben die Leute Angst um die Industrie und ihren Wohlstand. Ich weiß auch nicht, wie ich mir eine solche Gesellschaft vorstellen soll. Aber Tatsache ist: Wir müssen umdenken. Die Müllberge wachsen, der Fachhandel stirbt aus, die Ressourcen fehlen. Um daher auf Ihre Eingangsfrage zurück zu kommen: Jede Bewegung, die zum Umdenken anregt, ist herzlich willkommen im Sinne einer Reparatur-Revolution.

www.reparatur-revolution.de

 

 

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Die Hamburger Autorin, Philosophin und Ökonomin befasst sich seit vielen Jahren mit Fragen des nachhaltigen Wirtschaftens. Ihre Schwerpunktthemen sind lokale Ökonomie, Handwerk und Wachstumsrücknahme (Degrowth). In ihren Büchern plädiert sie unter anderem für eine andere Art des Arbeitens und für die Nutzung regionaler Potentiale (endogene Regionalentwicklung). Christine Ax war lange Zeit Mitglied im Landesvorstand der Grünen und gründete gemeinsam mit anderen den Hamburger Zukunftsrat. Von 2001 bis 2003 war sie Teil des Aufsichtsrates von Greenpeace Deutschland. Heute arbeitet und schreibt sie unter anderem für das „Büro für zukunftsfähige Entwicklung und Kommunikation” und das „Sustainable Europa Institute Vienna”.


Von Christine Ax

Re-Skilling
„Hier Blitzblume Ingelheim, Heinrich Jung am Apparat. Wie kann ich Ihnen helfen?“ Seit bald 20 Jahren ist Heinrich Jung mit Leidenschaft „Waschmaschinen-Doktor“. Zwei Stunden am Tag behandelt er kostenfrei defekte Waschmaschinen am Telefon. Ratsuchende aus ganz Deutschland beschreiben ihm die Probleme, die sie mit ihrem Gerät haben. Vielen konnte und kann aus der Ferne geholfen werden. Wer Maschinen aller Hersteller so gut kennt wie Heinrich Jung, kann meist auf Anhieb die richtige Diagnose stellen. Oft reichen einfache Handgriffe, um das Problem “ferngesteuert“ zu beheben. Trotzdem gelingt diese Übung immer öfter nicht. Nichts wächst in Deutschland schneller nach als linke Hände. „Ei Krischtine, weischt“ sagt Jung im schwäbischen Dialekt „de Leut ham eefach verläärnt ihre Händ zu gebrauche, unn se traue sich nix mehr zu.“Dies ist die Kehrseite unserer so genannten Wissensgesellschaft. Immer mehr Menschen empfinden beim Anblick eines streikenden technischen Geräts nur noch eins: Hilflosigkeit und Wut. Instandhaltung und Instandsetzung sind uns in den letzten Jahrzehnten als normaler Bestandteil des Alltags verloren gegangen. Was nicht funktioniert, wird ersetzt. Die Wegwerfpraxis vermittelt aber letztlich ein Gefühl tiefer Abhängigkeit.

Bitte nicht anfassen!
Ich vermute, als Kind waren wir alle noch sehr neugierig. Kinder be-greifen in den ersten Jahren alles mit allen Sinnen – wenn man sie lässt. Sie sind gnadenlose Materialprüfer. Nehmen alles auseinander und setzen es neu zusammen. Nichts bleibt wie es ist. Aber nur, solange wir sie lassen. Wie oft höre und beobachte ich Erziehungsberechtigte, die ständig auf die kleinen Finger hauen und in Endlosschleifen wiederholen: „Nicht anfassen. Nur ansehen. Du machst alles kaputt.“
Die Schulen erledigen dann den Rest. Wissen ist gefragt. Praktische Fähigkeiten stehen nur noch selten auf dem Stundenplan. Doch echtes Können und wahre Könnerschaft ist immer das Ergebnis praktischer Übung. Wer übt, lernt aus Fehlern. Wer es gelernt hat, aus Fehlern zu lernen, lernt, nicht so schnell aufzugeben und sich aus Abhängigkeiten wieder zu befreien. Learning by doing.
Zu wissen, was man im Ernstfall tatsächlich, und nicht nur vielleicht kann, ist auch sehr nützlich. Die eigenen Grenzen zu kennen, fördert außerdem die Wertschätzung für das Können Anderer, schützt vor Torheiten und unkalkulierbaren Risiken.
Menschen brauchen für ihre Entwicklung eine möglichst vielfältige, beziehungsreiche, anregende und von immer neuen Herausforderungen geprägte Umwelt. Die Neurobiologie zeigt heute auf, dass unsere seelische Entwicklung, der Erwerb und die Erweiterung praktischer Fähigkeiten, unser kognitives Leistungsvermögen und die Fähigkeit, Beziehungen einzugehen und differenziert zu fühlen, sind eng miteinander verknüpft. (Hüther 2011)
Was für die Individuen gilt, gilt auch für Kulturen. Nur was von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird, überlebt. Eine Gesellschaft ist immer nur so reich, wie das Können, die Erfahrung und das Wissen, das sie (in echter Zuwendung) an die nächste Generation weitergibt.
Die schnell wachsende Bewegung der Repair-Initiativen in Deutschland ist ein Indikator dafür, dass sich immer mehr Menschen nicht mehr auf die Konsumentenrolle reduzieren lassen wollen und wie befriedigend es ist, selber etwas zu können - und zwar am liebsten in Gemeinschaft.  

Literatur
Christine Ax (2009): Die Könnensgesellschaft. Mit guter Arbeit aus der Krise

Gerald Hüther (2011): Was wir sind und was wir sein könnten: Ein neurobiologischer Mutmacher

www.christineax.de

 

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Die anstiftung will mit innovativen sozialen, kulturellen und ökologisch-ökonomischen Projekten zur Lösung von Gegenwartsfragen beitragen. Sie fördert, vernetzt und erforscht Räume und Netzwerke des Selbermachens und des Wissensaustausches. Dazu gehören Freiräume und Infrastrukturen wie Interkulturelle und Urbane Gärten, Offene Werkstätten, Reparatur-Initiativen, Open Labs ebenso wie Initiativen zur sozialen Belebung von Nachbarschaften oder Interventionen im öffentlichen Raum. In der Stiftungsarbeit geht es uns um ein postmaterielles Verständnis von Wohlstand, das Lebensqualität nicht auf Warenvielfalt reduziert und die natürlichen Grenzen des Planeten Erde respektiert.Methodisch verfolgen wir in unserer operativen Arbeit wie in der Projektförderung einen konsequent ressourcenorientierten Ansatz.

www.anstiftung.de


 

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Leitung: Daniel Überall

Redaktion: Sarah Schill

Wissenschaftliche Mitarbeit:
Andrea Baier, Linn Quante, Tom Hansing

Medienerstellung / -bearbeitung:
www.field-of-view.de


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